Was ist Drehmoment? Die Drehkraft deines Motors einfach erklärt

Drehmoment ist die Kraft, mit der dein Motor die Kurbelwelle dreht – sie entscheidet darüber, wie kräftig sich dein Auto anfühlt, wenn du aus niedrigen Drehzahlen Gas gibst.

Zuletzt aktualisiert: Juni 2026

Du hörst es ständig: Der eine schwärmt vom „Durchzug", der andere von „PS", und im Datenblatt deines Autos stehen neben den PS auch noch Newtonmeter. Spätestens beim Autokauf fragst du dich, was diese zweite Zahl eigentlich bedeutet – und warum sich zwei Autos mit gleich vielen PS so unterschiedlich fahren können. Die Antwort steckt fast immer im Drehmoment.

In diesem Ratgeber klären wir verständlich, was Drehmoment ist, wie es mit Leistung und Drehzahl zusammenhängt und worin der Unterschied zwischen PS und Drehmoment liegt. Du bekommst die Formel, anschauliche Beispiele und eine Erklärung, warum gerade Turbodiesel schon bei wenig Drehzahl so kräftig anschieben. Wenn du selbst rechnen willst, kannst du Leistung, Drehzahl und Drehmoment jederzeit im Drehmoment-Rechner ineinander umrechnen.

Drehmoment einfach erklärt: die Drehkraft des Motors

Drehmoment ist im Kern eine Drehkraft – also die Kraft, mit der dein Motor die Kurbelwelle herumdreht. Gemessen wird sie in Newtonmeter (Nm). Anders als die Leistung, die etwas darüber sagt, wie schnell der Motor arbeitet, beschreibt das Drehmoment, wie kräftig er an der Kurbelwelle zieht. Genau dieses Ziehen spürst du im Rücken, wenn du im richtigen Gang Gas gibst und das Auto sauber anschiebt.

Stell dir eine ganz normale Schraube vor: Wie stark du sie anziehst, hängt davon ab, wie fest du drückst und wie lang dein Schraubenschlüssel ist. Mit einem langen Schlüssel bekommst du dieselbe Schraube viel leichter fest als mit einem kurzen, obwohl du gleich stark drückst. Beim Motor ist es im Prinzip dasselbe Spiel – nur dass dort der Kolben über die Pleuelstange auf die Kurbelwelle drückt und sie so in Drehung versetzt.

Kraft mal Hebelarm: woher die Newtonmeter kommen

Mathematisch ist Drehmoment ganz einfach: Drehmoment = Kraft × Hebelarm. Die Kraft (in Newton) wirkt im Abstand des Hebelarms (in Meter) zur Drehachse – und multipliziert ergibt das die Newtonmeter. Drückst du mit 100 Newton auf einen Schlüssel, der 0,5 Meter lang ist, bringst du 50 Nm auf die Schraube. Mit einem Meter Hebel wären es schon 100 Nm bei gleicher Kraft.

Im Motor ist die Kraft der Druck, den die Verbrennung im Zylinder auf den Kolben ausübt. Der Hebelarm entsteht dadurch, dass die Kurbelwelle gekröpft ist – der Kurbelzapfen sitzt also versetzt zur Drehachse. Je mehr Druck im Zylinder entsteht und je größer dieser Hebel, desto mehr Drehmoment kommt an der Kurbelwelle an. Deshalb hängt das Drehmoment stark davon ab, wie gut der Motor in einem bestimmten Drehzahlbereich „füllt" und verbrennt – und nicht einfach davon, wie hoch er dreht.

  • Drehmoment = Kraft × Hebelarm
  • Einheit: Newtonmeter (Nm)
  • Im Motor: Druck auf den Kolben × Hebel der gekröpften Kurbelwelle
  • Beispiel: 100 N auf 0,5 m Hebel = 50 Nm

Drehmoment ist der „Durchzug" aus niedrigen Drehzahlen

Wenn Autofahrer von „Durchzug" oder „Bumms von unten" reden, meinen sie genau das Drehmoment. Ein Motor mit viel Drehmoment schiebt schon bei niedriger Drehzahl kräftig an – du musst also nicht erst hochschalten oder den Motor hochdrehen, um vom Fleck zu kommen. Beim Anfahren an der Ampel, beim Überholen im großen Gang oder mit Anhänger am Berg ist das Drehmoment das, was du wirklich spürst.

Wichtig ist dabei nicht nur der höchste Wert, sondern wo er anliegt. Hersteller geben das maximale Drehmoment oft für ein ganzes Drehzahlband an, zum Beispiel „320 Nm zwischen 1.500 und 3.500 Umdrehungen pro Minute". Ein Motor, der sein volles Drehmoment früh und über einen breiten Bereich bereitstellt, fühlt sich im Alltag souverän an, weil er fast immer kräftig zieht – egal in welchem Gang du gerade bist.

Drehmoment, Leistung und Drehzahl: die Formel

Drehmoment und Leistung sind nicht dasselbe, hängen aber eng zusammen. Vereinfacht gilt: Leistung = Drehmoment × Drehzahl. Ein Motor wird also nicht nur dadurch stark, dass er kräftig zieht, sondern auch dadurch, dass er sich schnell dreht. Genau deshalb erreicht ein Motor seine Höchstleistung erst bei hoher Drehzahl – obwohl das maximale Drehmoment oft schon viel früher anliegt.

In Zahlen lässt sich das mit einer praktischen Formel ausdrücken: M = (P × 9550) ÷ n. Dabei ist M das Drehmoment in Nm, P die Leistung in Kilowatt (kW) und n die Drehzahl in Umdrehungen pro Minute (1/min). Die 9550 ist eine gerundete Umrechnungskonstante (genauer sind es rund 9549), die die Einheiten zusammenbringt – für den Hausgebrauch reicht der glatte Wert völlig. Stellt man die Formel um, kannst du genauso die Leistung aus Drehmoment und Drehzahl ausrechnen.

Ein Beispiel: Ein Motor leistet 100 kW bei 4.000 1/min. Dann sind das (100 × 9550) ÷ 4000 = rund 239 Nm an dieser Stelle. Dieselbe Rechnung erledigt der Drehmoment-Rechner für dich, wenn du keine Lust auf Kopfrechnen hast. Falls du nur deine kW in PS umrechnen willst, hilft dir der kW-PS-Rechner weiter. Behalte aber im Hinterkopf, dass so eine Rechnung nur eine Orientierung ist: Sie sagt dir das Drehmoment an genau einem Betriebspunkt, nicht den Maximalwert deines Motors – der steht im Datenblatt oder in den Fahrzeugpapieren.

  • Vereinfacht: Leistung = Drehmoment × Drehzahl
  • Formel: M = (P × 9550) ÷ n
  • P in kW · n in Umdrehungen pro Minute (1/min) · M in Nm
  • Beispiel: 100 kW bei 4.000 1/min ≈ 239 Nm

Drehmoment vs. PS: was sagt welche Zahl aus?

Hier wird es für den Autokauf richtig interessant. PS (oder kW) ist die Leistung – sie sagt vor allem etwas darüber aus, was „oben raus" geht: Höchstgeschwindigkeit und wie kräftig der Motor bei hohen Drehzahlen noch zulegt. Das Drehmoment dagegen sagt dir, wie kräftig das Auto aus niedrigen und mittleren Drehzahlen anschiebt – also wie souverän es sich beim Anfahren und Durchziehen anfühlt.

Eine grobe Eselsbrücke: Drehmoment ist das Anfahren und der Durchzug, PS ist das Tempo und die Beschleunigung obenraus. Beide hängen über die Drehzahl zusammen, aber sie fühlen sich beim Fahren ganz unterschiedlich an. Ein drehmomentstarker Motor wirkt entspannt und kräftig im Alltag, ein leistungsstarker, aber drehmomentärmerer Motor will dafür gerne gedreht werden, um seine Stärke zu zeigen.

Deshalb solltest du beim Vergleich zweier Autos immer beide Zahlen anschauen. Zwei Fahrzeuge mit identischen 110 kW können sich völlig anders anfühlen, wenn das eine sein Drehmoment früh und breit bereitstellt und das andere erst bei hoher Drehzahl munter wird.

  • PS/kW (Leistung): Tempo und Beschleunigung obenraus
  • Drehmoment (Nm): Anfahren und Durchzug von unten
  • Für den Alltag zählt oft das früh anliegende Drehmoment
  • Beim Autovergleich immer beide Werte beachten

Warum Turbodiesel so viel Drehmoment früh bereitstellen

Diesel haben den Ruf, kräftig und durchzugsstark zu sein – und das liegt am Drehmoment. Dieselmotoren arbeiten mit deutlich höherer Verdichtung als Benziner und verbrennen den Kraftstoff bei hohem Druck, was schon von sich aus viel Drehmoment begünstigt. Der entscheidende Punkt ist aber der Turbolader: Er presst zusätzliche Luft in die Zylinder, sodass mehr Kraftstoff verbrannt werden kann und der Druck auf den Kolben steigt. Genau das erzeugt das hohe Drehmoment. Praktisch alle heutigen Pkw-Diesel sind deshalb aufgeladen.

Moderne Turbodiesel legen ihr maximales Drehmoment oft schon bei rund 1.500 bis 2.000 Umdrehungen pro Minute an und halten es über ein breites Band. Deshalb fühlt sich ein Diesel beim Anfahren und beim Ziehen am Berg so kräftig an, obwohl er auf dem Papier manchmal weniger PS hat als ein vergleichbarer Benziner. Benziner mit Turbo holen hier in den letzten Jahren stark auf und liefern ebenfalls früh viel Drehmoment – der klassische Unterschied wird kleiner.

Dass ein Diesel trotzdem oft eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit hat, passt gut zur Formel: viel Drehmoment, aber eine niedrigere Maximaldrehzahl ergibt eine moderate Spitzenleistung. Genau das macht den typischen Charakter aus – kräftig von unten, aber nicht auf hohe Drehzahlen ausgelegt.

Warum sich zwei Autos mit gleichen PS unterschiedlich anfühlen

Wenn zwei Autos exakt gleich viele PS haben, sich aber komplett anders fahren, liegt das fast immer am Drehmoment und an der Drehzahl, bei der es anliegt. Ein kleiner, hochdrehender Sauger erreicht seine 110 kW vielleicht erst bei 6.500 Umdrehungen und hat untenrum wenig Drehmoment – du musst ihn drehen, damit etwas passiert. Ein moderner Turbomotor mit denselben 110 kW stemmt sein Drehmoment dagegen schon ab niedriger Drehzahl auf die Straße und fühlt sich dadurch deutlich kräftiger an.

Dazu kommen Faktoren, die nicht im Motor stecken, aber die gefühlte Kraft beeinflussen: das Gewicht des Autos, die Getriebeabstufung und der Reifengrip. Ein leichtes Auto setzt dasselbe Drehmoment spürbarer um als ein schwerer Wagen, und ein kurz übersetztes Getriebe lässt einen Motor lebendiger wirken. Beim Autokauf lohnt es sich deshalb, nicht nur auf die PS-Zahl zu schielen, sondern auf das Zusammenspiel aus Drehmoment, Drehzahlband und Gewicht – und am besten einmal selbst Probe zu fahren. Maßgeblich sind am Ende immer die offiziellen Hersteller- und Fahrzeugangaben; Rechner und Faustformeln liefern dir nur eine schnelle Orientierung.

Häufige Fragen

Was ist Drehmoment einfach erklärt?
Drehmoment ist die Drehkraft, mit der dein Motor die Kurbelwelle dreht, gemessen in Newtonmeter (Nm). Es entsteht aus Kraft × Hebelarm und bestimmt, wie kräftig dein Auto aus niedrigen Drehzahlen anschiebt – also den „Durchzug".
Was ist der Unterschied zwischen Drehmoment und PS?
PS (bzw. kW) ist die Leistung und sagt vor allem etwas über Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung bei hohen Drehzahlen aus. Drehmoment beschreibt die Kraft beim Anfahren und Durchziehen von unten. Über den Zusammenhang Leistung = Drehmoment × Drehzahl hängen beide zusammen.
Wie berechnet man das Drehmoment?
Mit der Formel M = (P × 9550) ÷ n, wobei P die Leistung in kW, n die Drehzahl in Umdrehungen pro Minute und M das Drehmoment in Nm ist. Die 9550 ist eine gerundete Konstante (genau rund 9549). Beispiel: 100 kW bei 4.000 1/min ergeben rund 239 Nm. Den Wert rechnet dir auch der Drehmoment-Rechner aus.
Warum haben Diesel mehr Drehmoment?
Diesel arbeiten mit höherer Verdichtung und sind heute praktisch immer aufgeladen. Der Turbolader presst zusätzliche Luft in die Zylinder, dadurch steigt der Druck auf den Kolben, und das maximale Drehmoment liegt schon bei rund 1.500 bis 2.000 Umdrehungen an – das sorgt für den kräftigen Durchzug von unten.
Ist mehr Drehmoment besser?
Nicht pauschal, aber für den Alltag ist viel früh anliegendes Drehmoment sehr angenehm, weil das Auto entspannt anfährt und durchzieht. Worauf es ankommt, hängt vom Einsatz ab: Wer oft Anhänger zieht oder bergauf fährt, profitiert besonders. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Drehmoment, Drehzahlband, PS und Fahrzeuggewicht.
Warum fühlen sich zwei Autos mit gleichen PS unterschiedlich an?
Weil die PS-Zahl nichts darüber sagt, wie viel Drehmoment bei welcher Drehzahl anliegt. Ein Turbomotor liefert sein Drehmoment früh und breit, ein hochdrehender Sauger erst spät. Dazu kommen Gewicht und Getriebeabstufung – deshalb lohnt sich neben dem PS-Vergleich immer eine Probefahrt.

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