E-Auto-Verbrauch & Stromkosten: kWh und Kosten pro 100 km

Wie viel ein Elektroauto wirklich kostet, hängt an zwei Zahlen: dem Stromverbrauch in kWh pro 100 km und deinem Strompreis – und an einem oft übersehenen Aufschlag, den der Bordcomputer dir verschweigt.

Zuletzt aktualisiert: Juni 2026

Beim Verbrenner ist die Sache vertraut: Liter pro 100 Kilometer, mal Spritpreis, fertig. Beim E-Auto funktioniert es genauso – nur in Kilowattstunden statt Litern. Trotzdem fühlt sich die Rechnung für viele neu an, weil Strom anders abgerechnet wird als Sprit und der Verbrauch von Dingen abhängt, die man vom Tanken gar nicht kennt: Heizung im Winter, Tempo auf der Autobahn, sogar die Außentemperatur.

In diesem Ratgeber klären wir, was ein Elektroauto typischerweise an Strom zieht, warum du „aus der Steckdose“ mehr zahlst als der Bordcomputer anzeigt, und wie du die Kosten pro 100 km ehrlich ausrechnest – inklusive Vergleich mit dem Verbrenner. Wer es direkt durchrechnen will, nimmt den E-Auto-Spritkosten-Rechner; hier geht es ums Verständnis dahinter.

Was ein E-Auto wirklich verbraucht: 14–22 kWh pro 100 km

Der Stromverbrauch eines Elektroautos wird in Kilowattstunden pro 100 Kilometer angegeben – kurz kWh/100 km. Das ist das direkte Gegenstück zu „Liter pro 100 km“ beim Verbrenner. Die allermeisten E-Autos bewegen sich im Alltag zwischen etwa 14 und 22 kWh/100 km. Ein sparsamer Kleinwagen liegt am unteren Ende, eine große, schwere SUV-Limousine oder ein E-Transporter am oberen – und in beiden Fällen verschiebt sich der Wert je nach Fahrweise und Jahreszeit noch ordentlich.

Als grobe Orientierung kannst du dir merken: Ein kompaktes E-Auto braucht im Jahresschnitt oft rund 16–18 kWh/100 km, größere Modelle eher 18–22. Diese Zahlen sind Richtwerte, keine Messwerte für dein konkretes Auto – der reale Stromverbrauch deines Elektroautos auf 100 km hängt stark davon ab, wie und wo du fährst.

Den Herstellerangaben aus dem Prospekt solltest du dabei nicht blind vertrauen. Der genormte WLTP-Wert wird unter idealen Bedingungen ermittelt und liegt oft ein gutes Stück unter dem, was du im Alltag wirklich verbrauchst – ähnlich wie der Normverbrauch beim Verbrenner. Als realistische Hausnummer rechnest du daher eher mit den oberen Spannenwerten als mit der Bestmarke aus der Werbung.

  • Sparsamer Kleinwagen: ca. 13–16 kWh/100 km
  • Kompaktklasse / Mittelklasse: ca. 16–19 kWh/100 km
  • Große Limousine oder SUV: ca. 19–24 kWh/100 km
  • Im Winter jeweils spürbar mehr (siehe unten)

Warum der Verbrauch so stark schwankt

Anders als beim Verbrenner, dessen Verbrauch vor allem vom Gasfuß abhängt, reagiert das E-Auto auf eine ganze Reihe von Faktoren. Der größte ist das Tempo: Auf der Autobahn bei 130 km/h kann der Verbrauch leicht 50 Prozent über dem Stadtwert liegen, weil der Luftwiderstand mit der Geschwindigkeit überproportional steigt. Wer entspannt bei 110 statt 130 rollt, spart oft eine ganze Kilowattstunde oder mehr auf 100 km.

Der zweite große Hebel ist die Temperatur. Im Winter zieht die Heizung Strom direkt aus dem Akku – beim Verbrenner fällt die Wärme als Abfallprodukt des Motors ab, beim E-Auto muss sie erzeugt werden. Dazu kommt, dass die Batterie in der Kälte weniger effizient arbeitet. Beides zusammen kann den Verbrauch im tiefen Winter um 20 bis 40 Prozent nach oben treiben. Aus 17 kWh/100 km im Sommer werden so schnell 22 oder mehr. Eine Wärmepumpe, die viele neuere Modelle an Bord haben, dämpft diesen Winteraufschlag spürbar, weil sie deutlich effizienter heizt als ein einfacher elektrischer Heizstab.

Auch Klimaanlage, Fahrstil, Beladung, Anhänger und sogar die Reifen spielen mit. Häufiges starkes Beschleunigen kostet Reichweite, vorausschauendes Fahren mit Rekuperation – also dem Zurückgewinnen von Energie beim Bremsen – holt sie teilweise zurück. Genau deshalb gibt es nicht „den einen“ Verbrauch, sondern eine Spanne.

  • Tempo: Autobahn deutlich durstiger als Stadt
  • Jahreszeit: Winter klar mehr, vor allem wegen Heizung
  • Heizung & Klimaanlage: ziehen direkt aus dem Akku
  • Fahrstil & Beladung: zügig fahren kostet, vorausschauend fahren spart

Bordcomputer vs. Steckdose: die versteckten Ladeverluste

Hier ist der Punkt, den viele unterschätzen. Der Bordcomputer zeigt dir, wie viel Strom ins Fahren geflossen ist – also was tatsächlich aus dem Akku heraus an die Räder ging. Beim Laden geht aber zusätzlich Energie verloren: im Ladegerät, in der Leitung und beim Erwärmen der Batterie. Diese Ladeverluste liegen je nach Auto, Ladeart und Temperatur grob bei 10 bis 15 Prozent, beim langsamen Laden an der normalen Haushaltssteckdose können es sogar mehr sein.

Praktisch heißt das: Was du an der Steckdose bezahlst, ist immer etwas mehr als das, was der Bordcomputer als Verbrauch ausweist. Zeigt der Bordcomputer 16 kWh/100 km an, landest du „ab Wand“ realistisch eher bei 18 kWh/100 km. Für eine ehrliche Kostenrechnung solltest du deshalb mit dem höheren Wert rechnen – oder gleich ab und zu am Stromzähler bzw. an der Wallbox-App ablesen, wie viel wirklich geflossen ist. Am Schnelllader zahlst du den geladenen Strom ohnehin meist direkt ab Säule, sodass die Verluste dort schon im Preis stecken.

Kosten pro 100 km berechnen: Verbrauch × Strompreis

Die Formel ist erfreulich simpel. Du nimmst deinen Verbrauch in kWh/100 km – am besten den ehrlichen Wert ab Steckdose – und multiplizierst ihn mit deinem Strompreis pro Kilowattstunde:

Kosten pro 100 km = Verbrauch (kWh/100 km) × Strompreis (€/kWh)

Der Strompreis ist dabei der entscheidende Stellhebel, und er schwankt enorm, je nachdem, wo du lädst. Haushaltsstrom liegt in vielen Regionen grob zwischen 0,30 und 0,40 €/kWh. Wer eine eigene Photovoltaik-Anlage hat, lädt mit Sonnenstrom oft deutlich günstiger. Unterwegs am Schnelllader (DC) zahlst du dagegen häufig 0,50 bis 0,70 €/kWh – also leicht das Doppelte. Diese Preise sind grobe Richtwerte und ändern sich laufend; der Stand kann sich jederzeit verschieben, und maßgeblich ist immer dein konkreter Tarif und das Land, in dem du lädst. In Österreich und der Schweiz sieht das Preisniveau anders aus als in Deutschland.

  • Hausstrom: oft ca. 0,30–0,40 €/kWh
  • Eigener PV-Strom: meist deutlich günstiger
  • Schnellladen unterwegs (DC): häufig ca. 0,50–0,70 €/kWh

Beispielrechnung: ein E-Auto mit 18 kWh/100 km

Rechnen wir es konkret durch. Nehmen wir ein typisches Kompakt-E-Auto, das ab Steckdose 18 kWh/100 km zieht (Bordcomputer-Anzeige etwa 16, plus rund 12 Prozent Ladeverluste). Damit ergibt sich je nach Stromquelle ein sehr unterschiedliches Bild:

Du siehst sofort: Wer überwiegend zu Hause oder mit PV lädt, fährt extrem günstig. Wer dagegen viel am Schnelllader unterwegs ist, zahlt pro 100 km grob das Doppelte – immer noch oft günstiger als ein vergleichbarer Verbrenner, aber eben nicht mehr der oft beworbene Spottpreis. Für deine eigenen Zahlen tippst du Verbrauch und Strompreis einfach in den E-Auto-Spritkosten-Rechner.

  • Hausstrom 0,35 €/kWh: 18 × 0,35 = 6,30 € pro 100 km
  • PV-Strom 0,15 €/kWh: 18 × 0,15 = 2,70 € pro 100 km
  • Schnelllader 0,60 €/kWh: 18 × 0,60 = 10,80 € pro 100 km

Vergleich mit dem Verbrenner: was kostet 100 km wirklich?

Damit der Vergleich fair ist, rechnest du beim Benziner oder Diesel genau dasselbe: Verbrauch mal Kraftstoffpreis. Ein Benziner mit 7 Litern auf 100 km kostet bei einem Spritpreis von rund 1,80 €/Liter etwa 12,60 € pro 100 km. Ein sparsamer Diesel mit 5,5 Litern bei 1,75 €/Liter landet bei rund 9,60 €. Die Kraftstoffpreise sind dabei nur Beispielwerte und schwanken ständig.

Stell das dem E-Auto aus dem Beispiel gegenüber: Mit Hausstrom (6,30 €) ist das Elektroauto klar günstiger als beide, mit PV-Strom (2,70 €) sogar drastisch. Selbst am Schnelllader (10,80 €) liegt es noch ungefähr gleichauf mit dem Benziner. Der Energiekostenvorteil des E-Autos ist also real, fällt aber sehr unterschiedlich aus – je nachdem, ob du zu Hause oder unterwegs lädst. Beide Werte kannst du übrigens mit demselben Prinzip im Spritkosten-Rechner gegenüberstellen, um deine konkrete Strecke durchzurechnen.

Wichtig: Dieser Vergleich betrachtet nur die reinen Energiekosten. Anschaffungspreis, Wartung, Versicherung, Steuern, eventuelle Förderungen und Wertverlust spielen für die Gesamtkosten ebenfalls eine große Rolle und können das Bild in beide Richtungen verschieben. Eine seriöse Gesamtrechnung schaut deshalb nie nur auf den Strompreis.

Reichweite grob abschätzen

Aus Verbrauch und Akkugröße lässt sich auch die Reichweite überschlagen. Die Faustformel lautet:

Reichweite (km) = Akkukapazität (kWh) ÷ Verbrauch (kWh/100 km) × 100

Ein Beispiel: Ein Akku mit 58 kWh nutzbarer Kapazität bei einem Verbrauch von 18 kWh/100 km ergibt 58 ÷ 18 × 100 ≈ 322 km. Steigt der Verbrauch im Winter auf 23 kWh/100 km, sind es nur noch rund 252 km – derselbe Akku, aber deutlich weniger Reichweite. Genau dieser Effekt erklärt, warum die Reichweite im Winter spürbar einbricht.

Beachte: Hersteller geben oft die Brutto-Akkukapazität an, nutzbar ist meist etwas weniger. Und volle 100 Prozent bis 0 fährt in der Praxis kaum jemand, weil das den Akku belastet und man selten bis zum Stillstand rollen will. Die Formel liefert also eine Orientierung für den Alltag, keine Garantie bis zum letzten Kilometer.

Was die Rechnung leisten kann – und was nicht

Alle Werte hier sind Schätzungen und Orientierungshilfen, keine Messung deines konkreten Autos. Verbrauch, Strompreise und Reichweite hängen von so vielen Faktoren ab – Fahrweise, Temperatur, Tarif, Ladeort, Zustand des Akkus –, dass eine überschlägige Rechnung immer nur die Größenordnung trifft. Den verlässlichsten Wert bekommst du, indem du über ein paar Wochen selbst mitschreibst, wie viele Kilowattstunden ab Steckdose tatsächlich in dein Auto geflossen sind.

Und ein Hinweis zu Geld und Förderung: Steuervorteile, Kaufprämien oder vergünstigte Ladetarife ändern sich laufend und unterscheiden sich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Was heute gilt, kann sich morgen ändern – dieser Ratgeber ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für verbindliche Auskünfte sind die offiziellen Stellen bzw. dein Stromanbieter maßgeblich.

Häufige Fragen

Wie viel kWh verbraucht ein E-Auto auf 100 km?
Die meisten Elektroautos liegen im Alltag bei etwa 14–22 kWh/100 km. Sparsame Kleinwagen schaffen rund 14–16, große SUV brauchen eher 20–24. Im Winter steigt der Verbrauch wegen Heizung und kälterer Batterie spürbar an. Das sind Richtwerte, dein realer Verbrauch kann abweichen.
Was kostet ein E-Auto pro 100 km?
Du rechnest Verbrauch × Strompreis. Bei 18 kWh/100 km kostet das mit Hausstrom (0,35 €/kWh) rund 6,30 €, mit eigenem PV-Strom oft unter 3 € und am Schnelllader (0,60 €/kWh) rund 10,80 € pro 100 km. Die Preise sind Beispielwerte und ändern sich laufend.
Warum zahle ich mehr Strom, als der Bordcomputer anzeigt?
Wegen der Ladeverluste. Der Bordcomputer zeigt nur den Strom, der ins Fahren geht. Beim Laden gehen zusätzlich rund 10–15 Prozent in Ladegerät, Leitung und Batterie verloren, an der Haushaltssteckdose teils mehr. „Ab Steckdose“ zahlst du deshalb mehr als die reine Bordcomputer-Anzeige.
Verbraucht ein E-Auto im Winter mehr Strom?
Ja, deutlich. Die Heizung zieht Strom direkt aus dem Akku, und die Batterie arbeitet in der Kälte weniger effizient. Zusammen kann das den Verbrauch um 20–40 Prozent erhöhen – die Reichweite sinkt entsprechend. Eine Wärmepumpe dämpft den Aufschlag etwas.
Wie berechne ich die Reichweite meines E-Autos?
Mit der Faustformel Reichweite = Akkukapazität ÷ Verbrauch × 100. Ein 58-kWh-Akku bei 18 kWh/100 km ergibt rund 322 km. Da nutzbare Kapazität und Fahrweise variieren, ist das eine Orientierung, keine Garantie bis zum letzten Kilometer.
Lohnt sich ein E-Auto gegenüber einem Verbrenner?
Bei den reinen Energiekosten meist ja – vor allem, wenn du zu Hause oder mit PV lädst. Am Schnelllader schrumpft der Vorteil. Für die Gesamtkosten zählen aber auch Anschaffung, Wartung, Steuern, Förderungen und Wertverlust, nicht nur der Strom.

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